Altbau

Denkmal­schutz und kalte Wände: Lösungen, wenn die Fassade tabu ist

Wenn außen nichts verändert werden darf, entscheidet sich alles an der Innenseite, und zwar in einer bestimmten Reihenfolge.

In denkmalgeschützten Objekten läuft es oft nach demselben Muster. Irgendwann hat jemand bei der Behörde angefragt, ob die Fassade gedämmt werden dürfe, hat die Antwort als endgültiges Nein verstanden, und danach ist nichts mehr passiert. Die Nordwand im Schlafzimmer bleibt kalt, der Schimmel wird zum dritten Mal entfernt, und niemand prüft, was innen eigentlich erlaubt und möglich wäre. Das eigentliche Problem ist in solchen Objekten selten die Auflage. Das Problem ist die Lähmung, die sie auslöst.

Was der Denkmalschutz meistens schützt und was nicht

Geschützt ist in den allermeisten Fällen das äußere Erscheinungsbild. Bei einem Backsteinhaus ist das die Sichtfläche des Mauerwerks, das Fugenbild, die Gliederung, oft auch Fenster und Traufe. Ein Wärmedämmverbundsystem verändert genau das und scheidet damit aus. Daraus folgt aber nicht, dass an dem Gebäude nichts geschehen darf. In vielen Objekten ist die Innenseite gar nicht oder nur teilweise geschützt, in anderen sind auch innen Bauteile erfasst, etwa Stuckdecken, historische Türen oder Wandmalerei.

Welcher Fall bei Ihnen vorliegt, sagt Ihnen weder ein Ratgeber noch ein Hersteller, sondern ausschließlich die zuständige Denkmalschutzbehörde. Mein praktischer Rat an Eigentümer lautet deshalb immer gleich: Fragen Sie schriftlich an, beschreiben Sie die geplante Maßnahme konkret und lassen Sie sich die Antwort schriftlich geben. Ein mündliches „das wird schwierig“ hat schon viele Wohnungen für Jahre kalt bleiben lassen.

Vor jedem Wärmeschutz steht eine andere Frage

Bevor ich in einem Altbau über kalte Wände rede, prüfe ich, ob die Wand trocken ist. Bei norddeutschen Backsteinbauten ist das keine Formalie. Diese Fassaden stehen seit über hundert Jahren im Schlagregen, und die typischen Schwachstellen sind bekannt: ausgewaschene oder hart verfugte Stoßfugen, undichte Anschlüsse an Fensterbänken, ein Fallrohr, das seit Jahren gegen die Wand tropft, ein Sockel ohne funktionierende Horizontalsperre.

Die Anzeichen sind gut zu erkennen, auch ohne Gerät. Sitzt der Befall eher unten an der Wand? Blüht weißes Salz aus? Bröselt der Putz? Besteht das Problem auch im Hochsommer? Dann ist die Ursache Wasser im Bauteil, und keine Maßnahme an der Innenseite löst das. Die drei Ursachen, zwischen denen ich bei jedem Ortstermin unterscheide, sind im Beitrag Warum kommt der Schimmel immer wieder beschrieben. Solche Fälle gehören zuerst zur Abdichtung, in unserer Region übernimmt das der Fachbetrieb BAUDOKTOR Nord.

Der Weg, der zuerst geprüft gehört: die Innendämmung

Ist die Wand trocken und liegt die Ursache im Kondensat an einer kalten Oberfläche, dann ist die fachgerecht geplante Innendämmung die Lösung mit der größten Wirkung. Kapillaraktive mineralische Platten, etwa aus Kalziumsilikat, sind für historisches Mauerwerk seit Jahrzehnten erprobt, sie verbessern den Wärmeschutz der Wand spürbar und sie verändern außen nichts. Für viele Denkmalobjekte ist das die passende Antwort.

Die ehrlichen Nachteile gehören dazu. Die Aufbauten liegen je nach System und Fläche zwischen 3 und 8 Zentimetern pro Wand, dazu kommen Anschlüsse an Fensterlaibungen, Heizkörpernischen und einbindende Innenwände. Die Platte gehört geplant, nicht geschätzt. Und sie braucht einen Raum, der diese Zentimeter hergibt. Wo genau die Grenze zwischen beiden Wegen verläuft, habe ich im ehrlichen Vergleich zwischen Kalziumsilikatplatte und Beschichtungssystem aufgeschrieben.

Wenn innen kein Zentimeter zu vergeben ist

Und dann gibt es die Räume, in denen dieser Platz schlicht nicht existiert. Das Bad im Seitenflügel, in dem drei Zentimeter Wandaufbau den Türanschlag blockieren. Die Kastenfensterlaibung, die nach einer Aufdopplung ihre Proportion verliert. Das Zimmer mit Stuckkehle, an der ein Plattenanschluss nur unsauber enden kann. Die eine kalte Schlafzimmerwand in einer vermieteten Wohnung, in der niemand ausziehen kann und für die sich keine Komplettmaßnahme rechnet.

Für diese Lücke ist unser Beschichtungssystem entwickelt worden. Es wird 1 bis 1,5 Millimeter dünn aufgetragen, hält die Wandoberfläche wärmer und trockener und entzieht dem Kondensat damit die Grundlage. Aus der eigenen Sanierungspraxis: kein Gerüst, kein Raumverlust, rund ein Arbeitstag Aufwand pro Raum, und außen bleibt alles so, wie die Behörde es sehen will. Wie das in der Praxis abläuft, steht unter Anwendung, das vollständige Materialpaket unter System-Set, und der Spachtel ist der Schritt, der die Dicke bringt.

Wichtig für Ihre Entscheidung Das ist keine Dämmung im Sinne des Gebäudeenergiegesetzes und ersetzt keine. Wo Sie 5 Zentimeter Aufbau hergeben können und die Behörde innen zustimmt, leistet die Innendämmplatte mehr als unser System. Das dünne Oberflächensystem ist für Situationen gedacht, in denen eine solche Dämmung nicht umsetzbar ist.

Die Reihenfolge, die ich Eigentümern empfehle

  1. Schriftlich anfragen. Bei der unteren Denkmalschutzbehörde, mit konkreter Beschreibung, außen und innen getrennt.
  2. Feuchte klären. Fugen, Anschlüsse, Fallrohre, Sockel. Erst wenn die Wand trocken ist, hat Wärmeschutz überhaupt einen Sinn.
  3. Platz messen. In jedem betroffenen Raum, an der Laibung und am Türanschlag, nicht an der freien Wandfläche.
  4. Nutzung ansehen. Möbelabstand, Lüftungsrhythmus, Heizverhalten. In etlichen Wohnungen ist das der günstigste Teil der Lösung, und manchmal der ganze. Wie das geht, steht in der Anleitung zum richtigen Lüften.
  5. Erst danach die Maßnahme wählen. Platte, Beschichtungssystem oder gar nichts an der Wand.

Diese Reihenfolge kostet zwei Wochen und spart in Denkmalobjekten regelmäßig eine Fehlinvestition. Wenn Sie unsicher sind, an welcher Stelle Sie stehen: Fragen Sie unter FAQ und Kontakt nach oder schicken Sie ein Wandfoto. Sie bekommen die Antwort vom Sachverständigen, auch wenn sie lautet, dass zuerst der Maurer kommen muss.

Häufige Fragen dazu

Verbietet der Denkmalschutz jede Dämmung?

In der Regel nicht pauschal. Geschützt ist meist das äußere Erscheinungsbild, also die Fassade. Ob und was innen möglich ist, entscheidet die zuständige Denkmalschutzbehörde im Einzelfall und je nach Schutzumfang. Fragen Sie dort schriftlich an, bevor Sie planen.

Was mache ich, wenn die Innendämmung an fehlendem Platz scheitert?

Dann bleibt die Innenseite trotzdem der Ansatzpunkt, nur mit geringerer Aufbaudicke. Unser Beschichtungssystem wird 1 bis 1,5 Millimeter dünn aufgetragen und hält die Wandoberfläche wärmer und trockener. Es ist keine Dämmung im Sinne des Gebäudeenergiegesetzes und ersetzt keine.

Mein Backsteinhaus wird bei Regen dunkel. Ist das ein Wärmeproblem?

Nein, das ist zunächst ein Feuchteeintrag. Eine Wand, die Schlagregen aufnimmt und nicht wieder abgibt, ist kein Fall für eine Innenmaßnahme. Hier gehören Fugen, Anschlüsse, Fallrohre und Sockel geprüft, bevor über Wärmeschutz gesprochen wird.

Ihre Wand

Denkmal­geschütztes Objekt, kalte Innenwand?

Schicken Sie ein Foto der Wand und schreiben Sie dazu, was die Behörde erlaubt hat. Der Sachverständige ordnet ein, ob zuerst Fugen, Feuchteeintrag oder die kalte Oberfläche behandelt werden müssen.

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