Ratgeber
Innendämmung im Altbau: Platte oder Beschichtungssystem
Es gibt nicht die eine richtige Lösung für den Altbau, es gibt die richtige Lösung für Ihre Wand, und manchmal ist das gar keine Maßnahme.
Wer nach Innendämmung im Altbau sucht, findet vor allem eines: Anbieter, die jeweils ihre eigene Lösung empfehlen. Der Plattenhersteller empfiehlt Platten, der Farbenhersteller empfiehlt seinen Anstrich. Ich mache es anders und beginne mit dem Satz, der in meiner Branche selten fällt: Es gibt nicht die eine richtige Lösung. Es gibt die richtige Lösung für Ihre Wand.
Dabei wiederholt sich ein Muster. Der Befall sitzt an einer einzigen kalten Wand, meist im Schlafzimmer, meist nach Norden, meist oben in der Raumecke. Auf dem Tisch liegt trotzdem ein Angebot für alle Außenwände, mit Auszug für die Dauer der Arbeiten. Zwischen dieser Komplettmaßnahme und gar nichts liegen mehrere Möglichkeiten, und welche davon passt, entscheidet die Wand. Hier ist die Entscheidungslogik, nach der ich als Sachverständiger selbst vorgehe.
Erste Frage: Ist die Wand trocken?
Bevor über irgendeine Dämmung gesprochen wird, steht diese Frage. Eine Wand mit eindringender Feuchtigkeit, mit defekter Abdichtung, aufsteigender Nässe oder einem Wasserschaden darf gar nicht gedämmt und nicht beschichtet werden. Erst die Ursache beheben, dann trocknen lassen, dann über Wärmeschutz reden. Wer diese Reihenfolge umdreht, dämmt sich einen Bauschaden heran.
Woran Sie die beiden Fälle unterscheiden, habe ich im Beitrag Warum kommt der Schimmel immer wieder beschrieben. Kurzfassung: Befall unten an der Wand, Salzausblühungen, bröseliger Putz und ein Problem, das auch im Sommer besteht, deuten auf Bauteilfeuchte. Befall oben in der Ecke, hinter Möbeln, vor allem in der Heizperiode, deutet auf Kondensat an einer zu kalten Oberfläche.
Wenn Platz und Budget da sind: die Innendämmplatte
Fachgerecht geplant und verarbeitet ist die mineralische Innendämmplatte, etwa aus Kalziumsilikat oder Blähglas, eine bewährte Lösung. Sie verbessert den Wärmeschutz der Wand spürbar, sie ist kapillaraktiv und sie reguliert Feuchtigkeit. Der verbreitete Mythos, Innendämmung verursache zwangsläufig Schimmel, stimmt so nicht. Probleme entstehen bei falscher Planung, nicht beim Prinzip.
Die Nachteile gehören dazu. Der Aufbau kostet Raum, je nach Produkt und Planung 3 bis 8 Zentimeter pro Wand. Die Kosten pro Quadratmeter sind spürbar, weil Material, Verarbeitung und vor allem die Anschlussdetails an Fenstern, Decken und einbindenden Innenwänden dazugehören. Und die Verarbeitung gehört in geübte Hände, weil genau diese Anschlüsse über Erfolg und Misserfolg entscheiden.
Wenn Sie diese drei Punkte tragen können, ist die Platte eine gute Wahl.
Wenn Platz, Budget oder Denkmalschutz dagegen sprechen: das ultradünne Oberflächensystem
Und dann gibt es die Fälle, die ich aus der Sanierungspraxis in Lübeck nur zu gut kenne. Das denkmalgeschützte Backsteinhaus, an dessen Fassade nichts verändert werden darf. Das Bad, in dem drei Zentimeter Wandaufbau die Tür blockieren würden. Die vermietete Wohnung, die während der Maßnahme bewohnt bleiben muss. Die eine kalte Schlafzimmerwand, für die sich keine Komplettmaßnahme rechnet.
Für genau diese Lücke haben wir unser Beschichtungssystem entwickelt. Der Spachtel aus Aerogel und Mikro-Hohlglaskugeln wird 1 bis 1,5 Millimeter dünn aufgetragen und hält die Wandoberfläche wärmer und trocken. Dem Schimmel wird damit die Grundlage entzogen, ohne Raumverlust, ohne Gerüst, in bewohntem Zustand. Warum diese beiden Materialien das können, steht unter Technologie, der Ablauf mit Untergrundvorbereitung und Auftrag unter Anwendung und die zugehörigen Prüfwerte in den technischen Unterlagen.
Wichtig für die Einordnung: Das ist keine Dämmung im Sinne des Gebäudeenergiegesetzes und ersetzt keine. Es ist für Situationen gedacht, in denen Dämmung keine Option ist. Außerdem braucht das System eine Wärmequelle im Raum. In einem unbeheizten Kellerraum oder einer ungenutzten Garage ist es deshalb das falsche Produkt.
Und manchmal: gar nichts von beidem
Manche Fälle brauchen keine Maßnahme an der Wand.
Ein Möbelstück zehn Zentimeter von der Außenwand abrücken, damit die Raumluft dahinter zirkulieren kann. Konsequentes Stoßlüften nach dem Duschen und nach dem Kochen statt Dauerkipp. Ein einfaches Hygrometer aus dem Baumarkt, das zeigt, wie hoch die Luftfeuchte im Raum tatsächlich ist. Den selten genutzten Raum mitheizen, statt ihn kalt zu halten und die Tür zum warmen Wohnzimmer offen stehen zu lassen. Wenn einer dieser vier Punkte den Befall erklärt, ist die richtige Maßnahme keine Maßnahme an der Wand, und das gehört genauso deutlich gesagt.
Ob Ihr Fall so einer ist, zeigt der Befund. Wenn die Entscheidung für das dünne Oberflächensystem bereits gefallen ist, finden Sie das vollständige System-Set in drei Flächengrößen. Wenn Sie vorher wissen wollen, ob Sie überhaupt etwas brauchen, schicken Sie ein Foto Ihrer Wand; die Wege dazu stehen unter FAQ und Kontakt. Der Sachverständige ordnet ein, ob Platte, Oberflächensystem oder eine Änderung der Nutzung sinnvoll ist.
Häufige Fragen dazu
Verursacht Innendämmung zwangsläufig Schimmel?
Nein. Der Mythos hält sich hartnäckig, aber Probleme entstehen bei falscher Planung und bei fehlerhafter Verarbeitung, nicht beim Prinzip. Kritisch sind vor allem Anschlüsse, einbindende Bauteile und Dampfsperren, die an der falschen Stelle sitzen. Eine fachgerecht geplante mineralische Innendämmung ist eine bewährte Lösung.
Wie viel Raum kostet eine Innendämmplatte?
Je nach Produkt und Planung liegt der Aufbau zwischen 3 und 8 Zentimetern pro Wand. In kleinen Bädern, Fluren, Nischen und hinter Türen entscheidet genau dieser Aufbau darüber, ob die Maßnahme überhaupt umsetzbar ist.
Wann ist ein dünnes Beschichtungssystem der Innendämmplatte vorzuziehen?
Wenn Platz, Budget oder Auflagen gegen die Platte sprechen: bei Denkmalschutz, in sehr kleinen Räumen, an einer einzelnen kalten Problemwand oder in bewohnten Mietwohnungen, die während der Maßnahme bewohnt bleiben. Ein Ersatz für eine Dämmung nach Gebäudeenergiegesetz ist es ausdrücklich nicht.
Ihre Wand
Platte, System oder gar nichts?
Schicken Sie ein Foto Ihrer Wand. Der Sachverständige ordnet ein, ob Platte, dünnes Oberflächensystem oder eine Änderung der Raumnutzung zur Situation passt.