Ratgeber
Taupunkt einfach erklärt: Warum Ihre Wand schwitzt
Nicht die Wand ist nass, sondern die Luft davor ist zu warm für sie, und dieser eine Satz erklärt fast jeden Kondensatschaden im Altbau.
Stehen im Winter Tropfen an der Innenseite einer Außenwand, fällt der Verdacht fast immer zuerst auf ein Rohr in der Wand. In beheizten Wohnräumen ist er meistens falsch. Die Wand ist im Kern trocken, und das Wasser kommt nicht aus ihr heraus, sondern aus dem Raum davor. Es hat sich nur die kälteste Fläche gesucht, die es finden konnte.
Das ist der Punkt, an dem die meisten Feuchteschäden in Wohnräumen missverstanden werden. Nicht die Wand ist nass. Die Luft davor ist zu warm für sie.
Was der Taupunkt eigentlich ist
Luft trägt Wasser, aber nur bis zu einer Grenze, und diese Grenze hängt an der Temperatur. Warme Luft kann viel Wasserdampf aufnehmen, kalte Luft wenig. Kühlt warme, feuchte Luft ab, sinkt ihre Aufnahmefähigkeit, und irgendwann fällt der Überschuss als flüssiges Wasser aus. Die Temperatur, bei der das passiert, heißt Taupunkt.
An einer Wand geschieht das nicht mitten im Raum, sondern direkt an der Oberfläche. Die Raumluft streicht an der Innenseite der Außenwand entlang, kühlt in der dünnen Grenzschicht davor ab und gibt Wasser an die Wand ab. Das Ergebnis sehen Sie am Beschlag an der Fensterscheibe, denn Glas ist meist die kälteste Fläche im Raum. Was Sie am Fenster sehen, passiert unsichtbar auch an der Wand.
Ohne System
Feuchtigkeit kann kondensieren
Die warme Raumluft kühlt an der kalten Oberfläche ab. Dort kann sich Wasser niederschlagen.
Mit BAUDOCTOR AEROLIGHT System
Weniger Kondensat an der Oberfläche
Die Funktionsschicht erhöht die Oberflächentemperatur. So wird Kondensatbildung reduziert.
Die Zahlen, an denen ich mich orientiere
Zwei Zahlenreihen brauche ich bei jedem Ortstermin, und beide stammen nicht von uns.
Die erste ist die Taupunkttabelle. Sie ergibt sich aus der Magnusformel, steht in jedem bauphysikalischen Tafelwerk und lässt sich mit jedem Taupunktrechner nachprüfen. Bei 20 Grad Raumlufttemperatur liegt der Taupunkt bei 50 Prozent relativer Luftfeuchte bei etwa 9 Grad, bei 60 Prozent bei etwa 12 Grad und bei 70 Prozent bei etwa 14 Grad. Lesen Sie diese Reihe einmal von hinten: Je feuchter die Raumluft, desto wärmer darf die Wand nicht mehr sein, sondern muss sie sein, damit nichts kondensiert.
Die zweite Zahl steht in DIN 4108-2, Ausgabe 2013-02, der Norm zum Mindestwärmeschutz. Sie rechnet nicht erst ab sichtbarem Kondensat mit einem Problem, sondern setzt die kritische Grenze für Schimmelbildung bereits bei 80 Prozent relativer Feuchte an der Bauteiloberfläche an. Aus dem dort geforderten Temperaturfaktor ergibt sich unter den genormten Randbedingungen von 20 Grad innen und minus 5 Grad außen eine raumseitige Oberflächentemperatur von mindestens 12,6 Grad.
Das ist der Grund, warum Schimmel oft lange vor dem ersten sichtbaren Tropfen wächst. Sie brauchen keine nasse Wand, eine dauerhaft zu kalte reicht.
Warum ausgerechnet die Ecke, ausgerechnet hinter dem Schrank
Eine Außenwand ist nicht überall gleich kalt. In der Zimmerecke treffen zwei Außenflächen aufeinander, die Wärme nach außen abgeben, während innen nur eine vergleichsweise kleine Fläche nachheizt. Die Ecke ist deshalb systematisch kälter als die freie Wandfläche. Dasselbe gilt für Fensterlaibungen, für Deckenanschlüsse und für die auskragende Betonplatte des Balkons.
Und dann kommt der Kleiderschrank dazu. Steht er direkt an der Außenwand, kommt keine warme Raumluft mehr an die Fläche dahinter. Diese Fläche kühlt weiter ab, während die Feuchte der Raumluft dieselbe bleibt. Zehn Zentimeter Abstand und ein offener Sockel sind in solchen Fällen keine Verlegenheitsempfehlung, sondern die wirksamste Einzelmaßnahme, die nichts kostet.
Zwei Stellschrauben, mehr gibt es nicht
Wenn Sie den Taupunkt verstanden haben, verstehen Sie auch, dass es nur zwei Wege gibt.
Erstens: weniger Feuchte in der Raumluft. Stoßlüften nach dem Duschen und Kochen, Wäsche nicht im Schlafzimmer trocknen, ein Hygrometer als Kontrolle. Das senkt den Taupunkt, und in vielen Wohnungen reicht das aus.
Zweitens: eine wärmere Oberfläche. Das ist der Weg, wenn die Wand so kalt ist, dass die Raumluft unrealistisch trocken gehalten werden müsste. Klassisch geschieht das über eine Dämmung, außen oder innen, und wo Platz und Budget vorhanden sind, ist das die solide Lösung. Die Abwägung dazu steht im Beitrag Innendämmung im Altbau.
Wo Dämmung nicht möglich, nicht erlaubt oder nicht wirtschaftlich ist, setzt unser Beschichtungssystem genau an dieser Stellschraube an: Der Spachtel wird 1 bis 1,5 Millimeter dünn aufgetragen und liegt als Funktionsschicht zwischen der Raumluft und dem kalten Mauerwerk. Die raumseitige Oberfläche wird dadurch wärmer und bleibt trockener. Was Aerogel und Mikro-Hohlglaskugeln dabei tun, steht unter Technologie, und die zugehörigen Prüfwerte finden Sie in den technischen Unterlagen.
Die Grenze, die dieser Artikel setzen muss
Alles oben Geschriebene gilt für Kondensat aus der Raumluft. Es gilt nicht, wenn das Wasser aus dem Bauteil kommt.
Bei einer defekten Abdichtung, aufsteigender Feuchte im Sockel oder einem Rohrschaden ist der Taupunkt nicht Ihr Thema. Dort steht das Wasser bereits in der Wand, und eine wärmere Oberfläche ändert daran nichts. Solche Schäden sitzen typischerweise unten an der Wand, zeigen Salzausblühungen und bestehen auch im Sommer. Wer sie mit einer Oberflächenmaßnahme behandelt, verliert Zeit und Geld, und die Reihenfolge lautet dann: Ursache beheben, trocknen, danach entscheiden. Wie Sie die beiden Fälle auseinanderhalten, steht ausführlich im Beitrag Warum kommt der Schimmel immer wieder.
Und noch eine Grenze gehört dazu: Eine warme Oberfläche braucht eine Wärmequelle im Raum, mit der sie arbeiten kann. In einem unbeheizten Keller ist unser System das falsche Produkt.
Wenn Ihre Wand trocken, aber dauerhaft zu kalt ist, finden Sie das vollständige Vier-Schritte-System als System-Set für typische Wandflächen. Wenn Sie vorher wissen wollen, ob Ihre Wand schwitzt oder Feuchte aus dem Bauteil kommt, schicken Sie ein Foto; die Wege dazu stehen unter FAQ und Kontakt.
Häufige Fragen dazu
Was ist der Taupunkt einfach erklärt?
Der Taupunkt ist die Temperatur, auf die Luft abgekühlt werden muss, damit der in ihr enthaltene Wasserdampf als flüssiges Wasser ausfällt. Warme Luft kann mehr Wasserdampf tragen als kalte. Kühlt sie an einer kalten Oberfläche ab, gibt sie den Überschuss als Kondensat an diese Oberfläche ab. Genau das passiert an kalten Außenwänden.
Bei welcher Oberflächentemperatur wird es an der Wand kritisch?
Nach der Taupunkttabelle liegt der Taupunkt bei 20 Grad Raumluft und 60 Prozent relativer Luftfeuchte bei etwa 12 Grad. Schimmel beginnt allerdings früher: Die Norm DIN 4108-2 setzt die kritische Grenze bereits bei 80 Prozent relativer Feuchte an der Oberfläche an und fordert für den Mindestwärmeschutz eine Oberflächentemperatur von mindestens 12,6 Grad unter genormten Randbedingungen.
Hilft mehr Lüften gegen eine schwitzende Wand?
Häufig ja, denn Lüften senkt die absolute Feuchte der Raumluft und damit den Taupunkt. Ist die Wandoberfläche allerdings sehr kalt, müsste die Raumluft so trocken gehalten werden, dass es im bewohnten Alltag unrealistisch wird. Dann führt der Weg über die Oberflächentemperatur und nicht über das Lüftungsverhalten.
Ihre Wand
Schwitzt Ihre Wand oder ist sie nass?
Ein Foto der Stelle reicht für eine erste Einordnung. Der Sachverständige prüft, ob Kondensat wahrscheinlich ist oder zuerst ein möglicher Bauschaden untersucht werden muss.