Ratgeber
Warum kommt der Schimmel immer wieder?
Wer den Schimmel dreimal entfernt hat und ihn dreimal wiederbekommt, hat dreimal das Symptom behandelt und nie die Ursache behoben.
Es ist der häufigste Satz, den ich bei Ortsterminen höre: „Wir haben den Schimmel schon dreimal entfernt, er kommt immer wieder.“ Meist folgt eine Liste der bisherigen Versuche. Schimmelspray, Anti-Schimmel-Farbe, einmal neu tapeziert. Und meist ist die Antwort auf das Rätsel unbequem einfach.
Behandelt wurde dreimal das Symptom. Die Ursache hat nie jemand gesucht.
In der Sanierungspraxis begegnen mir drei Ursachen für wiederkehrenden Schimmel. Sie verlangen drei völlig verschiedene Maßnahmen, und nur eine davon lässt sich mit einer Maßnahme an der Oberfläche lösen. Deshalb steht am Anfang immer die Diagnose und nicht das Produkt.
Ursache 1: Die kalte Wand, der häufigste Fall
Schimmel braucht Feuchtigkeit. In den meisten Wohnungen kommt diese Feuchtigkeit nicht durch die Wand herein, sondern aus der Raumluft. Rechnen Sie es einmal für sich nach: Ein Haushalt, der kocht, duscht und Wäsche trocknet, bringt jeden Tag mehrere Liter Wasser in die Raumluft. Das ist Bauphysik und keine Aussage über ein Produkt.
Trifft diese feuchte Luft auf eine kalte Oberfläche, auf die Innenseite einer ungedämmten Außenwand, in eine Zimmerecke, auf die Fläche hinter dem Schrank, dann kühlt sie ab und gibt Wasser als Kondensat an die Wand ab. Fachlich gesagt: Die Oberfläche unterschreitet den Taupunkt. Warum das passiert und ab welcher Temperatur es kritisch wird, habe ich im Beitrag Taupunkt einfach erklärt mit Zahlen aufgeschrieben.
Auf dieser dauerhaft feuchten Fläche wächst Schimmel. Und er wächst nach jeder Entfernung wieder, solange die Fläche kalt bleibt. Genau deshalb versagen Sprays und Spezialanstriche auf Dauer. Sie ändern nichts an der Temperatur der Wand.
Ursache 2: Feuchtigkeit von außen oder unten
Der zweite Fall ist ernster. Wasser dringt in das Bauteil ein, über eine defekte Abdichtung, über aufsteigende Feuchte im Sockel, über einen unbemerkten Rohrschaden. Typische Anzeichen: Der Befall sitzt eher unten an der Wand, es gibt Salzausblühungen, der Putz bröselt, und das Problem besteht auch im Sommer, wenn niemand heizt.
Hier hilft keine Beschichtung der Welt. Hier muss zuerst die Ursache abgedichtet oder repariert werden, danach muss das Bauteil trocknen, und erst danach darf überhaupt über eine Oberfläche gesprochen werden. Ein Oberflächensystem auf durchfeuchtetem Mauerwerk ist rausgeworfenes Geld; die entscheidenden Einsatzgrenzen stehen bei den technischen Unterlagen.
Ursache 3: Die falsche Sanierung
Der dritte Wiederholungstäter ist die gut gemeinte, aber falsch gewählte Maßnahme. Dichte Anstriche, die die Wand versperren. Eine Dämmung, die als Dampfsperre wirkt und das Kondensat in die Konstruktion verlagert statt es zu verhindern. Oder schlicht die Möbel, die nach der Sanierung wieder direkt an die kalte Außenwand geschoben werden.
Eine Sanierung ohne vorherige Diagnose ist wie eine Operation ohne Befund. Manchmal geht es gut, oft nicht. Und wenn es nicht gut geht, ist der Schaden nach der Maßnahme größer als davor, weil jetzt zusätzlich Material verbaut ist, das wieder heraus muss.
Was stattdessen funktioniert: erst Diagnose, dann Therapie
Bei jedem Ortstermin prüfe ich in dieser Reihenfolge. Wo genau sitzt der Befall, oben oder unten, in der Ecke oder auf der Fläche? Ist die Wand nur oberflächlich feucht oder im Kern? Wie kalt ist die Oberfläche im Vergleich zur Raumluft? Wie wird der Raum genutzt, geheizt und gelüftet? Erst danach steht die Maßnahme fest.
Bei Ursache 2 heißt die Maßnahme Abdichtung oder Reparatur, und zwar durch einen Fachbetrieb für Bauwerksabdichtung. Bei Ursache 3 heißt sie Rückbau des Falschen.
Bei Ursache 1, dem Kondensat an der kalten Wand, gibt es zwei fachlich sinnvolle Wege. Wo Platz und Budget vorhanden sind, ist eine fachgerecht geplante Innendämmung die solide Lösung. Welche Variante wann passt, steht im Beitrag Innendämmung im Altbau.
Und wo Dämmung nicht möglich, nicht erlaubt oder nicht wirtschaftlich ist, bleibt der zweite Weg: die Oberfläche selbst. Denkmalschutz, kleine Räume, eine einzelne Problemwand, eine bewohnte Mietwohnung. Dafür ist unser Beschichtungssystem gebaut. Der Spachtel wird nur 1 bis 1,5 Millimeter dünn aufgetragen und hält die Wandoberfläche wärmer und trockener. Damit fehlt dem Schimmel die Grundlage, ohne Raumverlust und ohne Gerüst.
Warum das physikalisch funktioniert, steht unter Technologie, der Ablauf Schritt für Schritt unter Anwendung.
Wichtig ist mir die Einordnung, die zu jedem dieser Fälle gehört: Das ist keine Dämmung im Sinne des Gebäudeenergiegesetzes und ersetzt keine. Es ist die Lösung, wenn Dämmung keine Option ist.
Wenn eine Änderung im Raum bereits ausreicht
Es gibt Wohnungen, in denen ich nach einer Stunde sage: Sie brauchen kein Produkt von uns. Rücken Sie den Kleiderschrank zehn Zentimeter von der Außenwand ab, damit die Raumluft hinter das Möbel kommt. Lüften Sie nach dem Duschen und nach dem Kochen kurz und kräftig statt den ganzen Tag auf Kipp. Heizen Sie den kalten Raum mit, statt ihn kalt zu halten und die Tür offen zu lassen. Das sind keine Verlegenheitstipps, das ist in diesen Fällen die fachlich richtige Maßnahme, und sie kostet nichts.
Ob Ihr Fall so einer ist, entscheidet sich am Befund, nicht am Katalog. Für eine trockene, dauerhaft zu kalte Wand finden Sie das vollständige System-Set in drei Flächengrößen. Wenn Sie unsicher sind, welche der drei Ursachen bei Ihnen vorliegt, schicken Sie ein Foto der Stelle. Wie das geht, steht unter FAQ und Kontakt. Die Ersteinschätzung zeigt auch, wenn besseres Lüften und zehn Zentimeter Möbelabstand bereits die passende Maßnahme sind.
Häufige Fragen dazu
Warum kommt Schimmel nach dem Entfernen immer wieder?
Weil das Entfernen nur den Bewuchs beseitigt, nicht seine Grundlage. Solange die Wandoberfläche kalt genug bleibt, dass Luftfeuchtigkeit darauf kondensiert, oder solange Wasser aus dem Bauteil nachliefert, entsteht wieder feuchter Untergrund. Auf feuchtem Untergrund wächst neuer Schimmel.
Hilft Anti-Schimmel-Farbe gegen wiederkehrenden Schimmel?
Sie kann den vorhandenen Bewuchs zurückdrängen und die Fläche optisch zurücksetzen. An der Temperatur der Wandoberfläche ändert sie nichts, und genau die entscheidet darüber, ob wieder Kondensat entsteht. Deshalb ist sie in vielen Fällen eine Verschnaufpause, keine Lösung.
Woran erkenne ich, ob die Feuchtigkeit aus der Raumluft oder aus dem Bauteil kommt?
Zwei Hinweise helfen als erste Orientierung. Kondensatschäden sitzen meist oben in Raumecken, hinter Möbeln und an Außenwänden und treten vor allem in der Heizperiode auf. Bauteilfeuchte zeigt sich eher im unteren Wandbereich, oft mit Salzausblühungen und bröseligem Putz, und besteht auch im Sommer. Sicherheit gibt erst eine Messung vor Ort.
Ihre Wand
Welche der drei Ursachen ist es bei Ihnen?
Schicken Sie ein Foto der befallenen Stelle. Der Sachverständige ordnet ein, ob die Wand behandelt werden muss oder verändertes Lüften und mehr Möbelabstand ausreichen.