Ratgeber
Anti-Schimmel-Farbe in der Praxis: Was sie kann und was nicht
Die Anti-Schimmel-Farbe bekämpft den Schimmel, das Symptom. BAUDOCTOR AEROLIGHT bekämpft die Kälte, die eigentliche Ursache.
Es gibt eine Bilderfolge, die sich in Wohnungen mit wiederkehrendem Schimmel immer wieder ergibt: erst der Befall in der Wandecke, dann eine frisch gestrichene weiße Fläche, dann wieder der Befall, an derselben Stelle und in derselben Form. Dazwischen liegt ein Anstrich mit Anti-Schimmel-Farbe aus dem Baumarkt und die berechtigte Frage: „Warum funktioniert das nicht?“
Es funktioniert. Nur nicht gegen das, wogegen es funktionieren soll. Und damit fängt dieser Artikel an, denn Anti-Schimmel-Farbe ist ein sinnvolles Produkt mit einem klar umrissenen Einsatzbereich. Das Problem entsteht erst, wenn sie außerhalb dieses Bereichs eingesetzt wird.
Was in einer Anti-Schimmel-Farbe steckt
Zwei Bauarten sind mir in der Praxis geläufig.
Die erste ist eine Dispersions- oder Silikatfarbe, der Wirkstoffe gegen Pilzbewuchs zugesetzt sind. Diese Wirkstoffe sitzen im Anstrichfilm und hemmen dort, was sich darauf ansiedeln will. In Deutschland fallen solche Zusätze unter das europäische Biozidrecht, weshalb auf dem Gebinde steht, welcher Wirkstoff enthalten ist. Es lohnt sich, das zu lesen, besonders in Schlafzimmern und Kinderzimmern.
Die zweite Bauart arbeitet ohne zugesetzte Biozide, dafür über den pH-Wert: stark alkalische Kalk- oder Silikatanstriche schaffen ein Milieu, in dem Schimmel schlecht wächst. Das ist ein eleganter Ansatz, der in vielen Altbauten gut zum Untergrund passt.
Beide Bauarten haben eines gemeinsam: Sie wirken auf der Fläche und gegen den Organismus. Keine von beiden verändert, wie warm oder kalt diese Fläche ist.
Was sie tatsächlich kann
Ich will das nicht kleinreden, denn es ist mehr, als Kritiker der Kategorie oft zugestehen.
Eine gute Anti-Schimmel-Farbe drängt vorhandenen Oberflächenbewuchs zurück und verhindert für eine gewisse Zeit, dass sich neuer ansiedelt. Sie setzt die Fläche optisch zurück und macht einen Raum wieder benutzbar. Sie ist schnell aufgetragen, günstig und praktisch überall verfügbar. Und in Räumen ohne Heizung ist sie eine der wenigen Maßnahmen, die überhaupt greifen.
Was sie nicht kann
Sie verändert die Temperatur der Wandoberfläche nicht. Das ist keine Kritik am Produkt, das ist seine Bauart. Ein Anstrich liegt getrocknet im Bereich von Zehntelmillimetern, eine Größenordnung aus der Beschichtungstechnik, und in dieser Größenordnung passiert an der Wärmebilanz einer Wand nichts Nennenswertes.
Bleibt die Oberfläche also kalt genug, dass Raumluftfeuchte darauf kondensiert, dann bleibt auch die Ursache bestehen. Die Fläche ist weiterhin regelmäßig feucht, nur eben zunächst chemisch geschützt. Der Wirkstoff ist dabei ein Vorrat und kein Dauerzustand: Er wirkt, solange er vorhanden ist, und er wird mit der Zeit weniger, besonders auf einer Fläche, auf der wiederholt Kondensat steht. Bei alkalischen Anstrichen sinkt der pH-Wert im Lauf der Zeit ebenfalls. Deshalb endet die Bilderfolge vom Anfang so, wie sie endet: Der Anstrich hält, solange der Vorrat reicht, und danach findet der Schimmel dieselbe kalte, feuchte Fläche vor wie zuvor. Wie lange das dauert, hängt am Produkt, an der Fläche und daran, wie oft dort Kondensat steht. Eine Zahl dazu steht hier bewusst nicht.
Zwei weitere Grenzen gehören dazu. Auf durchfeuchtetem Mauerwerk hilft kein Anstrich, dort muss zuerst die bauliche Ursache beseitigt werden. Und manche Produkte sind vergleichsweise dicht, was auf einem saugfähigen Altbauputz kontraproduktiv sein kann. Warum die Wand überhaupt kondensiert, steht ausführlich im Beitrag Taupunkt einfach erklärt.
Der Unterschied, auf den es uns ankommt
An dieser Stelle muss ich etwas klarstellen, weil die Verwechslung sonst zu falschen Erwartungen führt: Unser Produkt ist keine Anti-Schimmel-Farbe und überhaupt keine Farbe. Es ist ein Beschichtungssystem mit messbarer Schichtdicke, und die Unterscheidung ist keine Wortklauberei, sondern der ganze Punkt.
Der tragende Schritt ist der Spachtel aus Aerogel und Mikro-Hohlglaskugeln. Er wird mit der Kelle 1 bis 1,5 Millimeter dick aufgetragen, also um ein Vielfaches dicker als ein Anstrich, und genau diese Dicke ist der Unterschied: Sie bringt eine luftgefüllte Lage zwischen Raum und Mauerwerk, und die Oberfläche bleibt dadurch wärmer. Das abschließende Coating ist die dünne Deckschicht darüber, nicht der Wirkmechanismus. Der Aufbau ist mineralisch, diffusionsoffen und in der Beschichtung selbst biozidfrei. Vorhandener Befall wird vorher entfernt, dafür gibt es den ersten Schritt des Systems, nachzulesen unter Anwendung.
Kurz gesagt: Die eine Lösung arbeitet chemisch gegen den Organismus, die andere physikalisch gegen die Bedingung, unter der er lebt. Wie das im Detail funktioniert, steht unter Technologie, die zugehörigen Prüfwerte in den technischen Unterlagen und der Systemaufbau in vier Schritten unter Das System.
Und die Einordnung, die wir überall dazusagen: Das ist keine Dämmung im Sinne des Gebäudeenergiegesetzes und ersetzt keine. Es ist die Lösung, wenn Dämmung keine Option ist.
Wann ich zur Anti-Schimmel-Farbe rate
Es gibt drei Fälle, in denen ich einem Kunden ausdrücklich zum Anstrich rate und nicht zu unserem System.
Erstens der unbeheizte Raum. Unser System hält vorhandene Raumwärme an der Oberfläche, es erzeugt keine. In einem unbeheizten Keller, einer Garage oder einem ungenutzten Nebenraum ist keine Wärme da, mit der es arbeiten könnte. Dort ist ein alkalischer Kalkanstrich die fachlich passendere und deutlich günstigere Antwort.
Zweitens die bewusst befristete Zwischenlösung. Wenn eine bauliche Ursache erst im Frühjahr behoben werden kann oder der Raum ohnehin in absehbarer Zeit umgebaut wird, ist ein Anstrich die vernünftige Überbrückung. Eine dauerhafte Maßnahme vor der Ursachenbeseitigung einzubauen wäre in dieser Reihenfolge ein Fehler.
Drittens der kleine kosmetische Rest. Wenn die Ursache behoben und die Wand nachweislich trocken ist und nur noch eine verfärbte Stelle stört, dann ist das eine Malerarbeit und keine Systemfrage.
Und dann bleibt der Fall, für den wir gebaut haben: die trockene, aber dauerhaft zu kalte Wand in einem beheizten Wohnraum, an der jeder Anstrich nur den Winter überdauert. Warum sie das tut, steht im Beitrag Warum kommt der Schimmel immer wieder; das vollständige Vier-Schritte-System finden Sie als System-Set in drei Flächengrößen.
Welcher der Fälle bei Ihnen vorliegt, entscheidet sich am Befund. Schicken Sie ein Foto der Stelle, die Wege dazu stehen unter FAQ und Kontakt. Wenn ein Anstrich reicht, sage ich Ihnen das.
Häufige Fragen dazu
Hilft Anti-Schimmel-Farbe dauerhaft gegen Schimmel?
Sie hilft gegen den Bewuchs, nicht gegen seine Ursache. Der enthaltene Wirkstoff hemmt Pilzwachstum auf der Anstrichfläche, verändert aber die Temperatur der Wandoberfläche nicht. Bleibt die Oberfläche so kalt, dass Luftfeuchte darauf kondensiert, kehrt der Befall zurück, sobald der Wirkstoffvorrat erschöpft ist.
Ist ein Beschichtungssystem dasselbe wie eine Anti-Schimmel-Farbe?
Nein. Ein Anstrich liegt getrocknet im Bereich von Zehntelmillimetern und wirkt über einen chemischen Wirkstoff. Unser Beschichtungssystem trägt den Spachtel 1 bis 1,5 Millimeter dick auf und wirkt über die Oberflächentemperatur, mineralisch, diffusionsoffen und biozidfrei. Unterschiedliche Schichtdicke, unterschiedliches Wirkprinzip, unterschiedliche Anwendungsfälle.
Wann ist eine Anti-Schimmel-Farbe die richtige Wahl?
Vor allem dort, wo keine Raumwärme zur Verfügung steht, etwa im unbeheizten Keller oder in der Garage, und als bewusst befristete Zwischenlösung, solange eine bauliche Ursache noch behoben wird oder der Raum ohnehin umgebaut wird. In diesen Fällen ist sie die passendere und günstigere Antwort.
Ihre Wand
Anstrich, System oder erst einmal messen?
Schicken Sie ein Foto der Stelle. Sie bekommen eine fachliche Einschätzung dazu, ob ein Anstrich genügt oder die kalte Oberfläche selbst behandelt werden muss.